Jugend trainiert für Olympia (JtfO) Basketball oder „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Der Bundesentscheid JtfO in Berlin – was für ein Erlebnis! Aber von Anfang an:

Zwei Gruppen hatten in diesem Jahr für den Landesentscheid Hamburg in der Altersklasse WK III (Jg. 2004-2007) gemeldet, ein Mädchen- und ein Jungenteam.

Die Jungen starteten zu ihren ersten Begegnungen im November und konnten sich über mehrere Runden bis zum Finale gegen alle Gegner durchsetzen. Als Landessieger Hamburg stand nun im Mai die Reise nach Berlin an, bei der in verschiedenen Sportarten alle Vertreter der Bundesländer den Bundessieger ausspielen sollten.

Um es kurz zu machen: Unser Team war gut, aber eben nicht so gut wie die Gegner. In unserer Gruppe trafen wir auf starke Mannschaften, die im Gegensatz zu uns teilweise komplett über einen Kader aus Top-Vereinsspielern verfügten oder von Schulen geschickt wurden, die als Landesstützpunkt alle sehr guten Spieler an ihre Schule geholt und dort weiter trainiert hatten. So mussten wir Niederlage um Niederlage einstecken, was natürlich nicht immer förderlich für die gute Laune war, und erreichten letztlich nach den Platzierungsspielen deutschlandweit im Turnier leider nur den sechszehnten und damit letzten Platz. Soweit die Chronistenpflicht.

Eine solche Reise ist natürlich viel mehr als nur das Turnier, auch wenn das vor allem der Anlass dafür war. Im Hostel trafen wir auf weitere Teams. Sie kamen nicht nur aus Hamburg, die in anderen Altersklassen und Sportarten starteten, sondern auch aus Niedersachsen, NRW und Bremen, die sich als unsere späteren Gegner herausstellten. Mit allen gab es schnell Kontakte und gute Stimmung. Man feuerte sich gegenseitig an, half sich mit Bällen zum Warmmachen aus und machte sich wieder Mut nach verlorenen Spielen. Das hat den anderen Betreuern und mir echt gut gefallen. Die Abschlussveranstaltung am Freitag in der Max-Schmeling-Halle fand mit allen TeilnehmerInnen statt und mündete in eine wirklich beeindruckende Tanzparty (Country Road, Johnny Depp, Nikki Lauda, 500PS…), bei der sich eine riesige Menschentraube über die Tanzfläche bewegte und die am Ende alle voll von Endorphinen nach Hause entließ. Auf dem Weg zur Bahn und vor allem auf dem Bahnsteig ertönten dann noch einmal lautstarke Sprechchöre jedes Bundeslandes. Ein ohrenbetäubender Lärm, aber emotional so toll, dass jede/r gefühlt hatte, wie schön und verbindend Sport sein kann. Als wir dann am Samstag zurückfuhren, hatte ich den Eindruck, dass trotz ausgebliebenen sportlichen Erfolges die Reise für alle Schüler ein Riesenerlebnis war. Für mich war sie das auf jeden Fall!

Nun zu den Mädchen WK III. Sie trafen in ihrer einzigen Runde auf die späteren Finalteilnehmerinnen und hatten von Anfang an leider gar keine Chance. Teams aus zwei weiteren Schulen trafen hier aufeinander, die sich auch aus dem letztjährigen Finale und ihren vielen Vereinsduellen gut kannten und den Sieg (natürlich) unter sich ausmachten. Unser Team bestand dagegen aus wenigen Vereinsspielerinnen und vielen, die den Sport nur über die Schule ausgeübt hatten. Das konnte bei diesem hohen Niveau also nichts werden. Warum ich das alles trotzdem aufschreibe? Im Verlauf dieses Turniers kam es zu einem Moment, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Unsere Gruppe spielte durchgehend mit einem großen Kämpferinnenherz, gab keinen Ball verloren, rannte auch bei hohen Rückständen unentwegt an, ließ sich nicht entmutigen, resignierte keinen Augenblick, so dass die Gegnerinnen ab der Mitte der Runde bei jeder guten Aktion/ jedem Korb für uns applaudierten. Sogar die Betreuer kamen zu mir und zollten unserem „Freizeitteam“ größten Respekt. Bei der abschließenden Siegerehrung gab es dann für unser Team noch einmal donnernden Applaus, so dass alle mit wirklich erhobenen Häuptern die Halle verlassen konnten.

Sport kann so schön sein!

Kersten Schmidt